Ärger um Kollektivvertrag bei Kaindl

Die Holzindustrie Kaindl in Wals-Kleßheim (Flachgau) haben die Loherhöhung im Kollektivvertrag mit Einzelverträgen für 25 Mitarbeiter ausgehebelt, kritisiert der Betriebsrat. Das Unternehmen spricht von einem freiwilligen Verzicht von Führungskräften.

Seit dem 1. Mai gelten bei Kaindl die neuen Tarifgehälter - die ausgehandelte Erhöhung betrage zwischen 3,7 und 4,1 Prozent, sagt Othmar Danninger, Landesvorsitzender der Bau- und Holzarbeitergewerkschaft. Josef Helminger, Personalchef von Kaindl, habe den neuen Kollektivvertrag für die Holzbranche auch mit ausverhandelt.

25 Mitarbeiter in Personalbüro „zitiert“

Doch 20 Kaindl-Angestellte und fünf Arbeiter aus dem Werk Lungötz (Tennengau) seien in das Personalbüro zitiert worden sagt Kaindl-Betriebsrat Helmut Schnaitl: „Dort hat man ihnen Einzelverträge vorgelegt und gesagt, dass es später Konsequenzen geben könnte, wenn sie nicht unterschreiben.“

Für Mittwoch, 14.00 Uhr, ist eine Betriebsversammlung angesetzt. Sollte das Unternehmen den Schritt nicht zurücknehmen, will der Betriebsrat eine Feststellungsklage einreichen. Dazu gebe es auch ein OGH-Urteil. Gewerkschafter Danninger droht auch mit weitere Schritten: „Vielleicht gibt es einen Aktionismus, den Österreich noch gar nicht kennt. Aber ich hoffe vorerst noch eine gute Lösung.“

Das Kaindl-Werk in Wals-Kleßheim

ORF

Unternehmen: „Hat mit Kollektivvertrag nichts zu tun“

Das Unternehmen wies die Vorwürfe zurück: „Bei der M. Kaindl KG gilt die KV-Erhöhung für die gesamte Belegschaft“, betonte Kaindl-Sprecher Michael Prock.

Lediglich 20 Führungskräfte hätten auf die Erhöhung freiwillig verzichtet, was als Beitrag in der Diskussion um erhöhte Managergehälter verstanden werden könne. Bei den fünf Arbeitern aus Lungötz habe es eine Funktionsveränderung gegeben, weshalb ihre Gehälter anders eingestuft worden seien: „Das hat mit dem Kollektivvertrag gar nichts zu tun“, sagt Prock. Die gesamte Belegschaft werde über dem Kollektivvertrag entlohnt.

Die einberufene Betriebsversammlung sei eine einmal im Jahr turnusmäßig stattfindende Versammlung, ergänzt Prock.

Rund 775 Mitarbeiter, 405 Millionen Euro Umsatz

Kaindl erzeugt Faserplatten und Fußböden, die zu 94 Prozent exportiert werden. Das Unternehmern beschäftigt in Wals-Kleßheim rund 500 und in Annaberg-Lungötz rund 275 Mitarbeiter. Der Umsatz lag im Geschäftsjahr 2010/11 bei 405 Millionen Euro.