Schüler entwickeln sicheren Kinderwagen

APA/ Robert Schlesinger
Das System soll sich für Babys in klassischen Transportern sowie für Kleinkinder in „Sportwagen“ eignen
„Wir haben schon einen funktionstüchtigen Prototyp gebaut und einen Patentantrag gestellt“, sagt Werner Meissner, Projektleiter und Lehrer an der Höheren Technischen Bundeslehranstalt (HTBL) Saalfelden (Pinzgau).
Vermarktet werden soll das Produkt künftig über eine neue Gesellschaft in Tirol, denn dort gibt es - offenbar im Gegensatz zu Salzburg - bessere Förderungen für neue Technologien.
Immer wieder haarsträubende Unfälle
Es ist der Alptraum frischgebackener Eltern: Ein Stolperer auf einer abschüssigen Straße, ein kurzes Loslassen genügt, schon macht sich der Kinderwagen selbstständig. Manchmal endet die kleine Unaufmerksamkeit tragisch, wie im Juli 2007 nahe Graz:
Ein Kinderwagen rollte in die Mur, das sieben Monate alte Baby ertrank, ebenso die Mutter, die nachgesprungen war. Im vergangenen Oktober retteten zwei Passanten in Schruns in Vorarlberg ein eineinhalbjähriges Kind aus einem Bach. Der Vater hatte den Kinderwagen kurz losgelassen, dieser war dann über eine Böschung ins Wasser gefallen.
Suche nach Schülern, die daran arbeiten
Als Werner Meissner vor zweieinhalb Jahren Vater wurde, sah er sich selbst mit dem Problem konfrontiert. „Ich wohne in Leogang, in einer gebirgigen Gegend. Als ich Lukas im Kinderwagen geschoben habe, ärgerte ich mich, dass der Kinderwagen nicht automatisch stehen bleibt, wenn man den Kontakt zum Haltegriff verliert.“
Ausgekommen sei ihm der Kinderwagen, der eine herkömmliche, mechanische Feststellbremse hatte, zum Glück nie. Die Idee, ein automatisches Bremssystem herzustellen, war aber geboren. „Ich habe sehr gute Schüler gefunden, die das solide umgesetzt haben. Es funktioniert“, sagt Meissner nicht ohne Stolz.
Marktforschung & Entwicklung
Zwei Schülerinnen des Schwerpunktes Marketing an der Handelsakademie (HAK) St. Johann im Pongau und drei Schüler der Fachrichtung Mechatronik an der Höheren Technischen Lehranstalt (HTL) Saalfelden im Pinzgau haben an dem Maturaprojekt mitgearbeitet. Sie betrieben Marktforschung und entwickelten aus den Forderungen der Kundenbefragung eine berührungslose, mechatronische Kinderwagen- und Sicherheitsbremse.
Kein ruckartiges Bremsen
Das System bemerkt, ob jemand den Kinderwagen schiebt oder hält. Sensoren am Haltegriff erkennen, wenn dieser nicht mehr festgehalten wird. „Innerhalb von zwei Sekunden wird dosiert gebremst, nicht ruckartig“, schilderte Meissner. Denn auch ein ruckartiges Bremsen könne das Kind gefährden. Im Ruhezustand, wenn niemand den Griff festhält, ist die Bremse angezogen.
Tirol bietet Förderungen
Das Projekt sei derart erfolgreich, dass er nun mit Hilfe des Tiroler Technologiefonds CAST ein Unternehmen zur Herstellung des automatischen Bremssystems gründen wolle, erklärt der Pinzgauer Lehrer.
Zentrale Aufgabe von CAST ist die intensive Beratung, Begleitung und Förderung von technologieorientierten Unternehmensgründungen. Der Firmensitz soll in Tirol sein, denn dort gebe es geförderte Standorte, sagte Meissner. Er ist noch auf der Suche nach Investoren.
Publiziert am 23.05.2012

