Hochseil-Trend: Gefahr für Helikopter

Balancieren auf einem Hochseil im Hochgebirge ist im Trend: Immer öfter spannen Kletterer „Highlines“ zwischen Felsspitzen. Die Seile sind aber eine Gefahr für die Flugrettung. Sie sind vom Cockpit aus kaum zu sehen.

Balancier-Hochseile stehen bei der jungen Generation der Kletterer hoch im Kurs - es geht um die Herausforderung und den Adrenalinstoß. Doch der Aufwand, die Highlines zwischen Felsspitzen zu spannen, ist beträchtlich.

Im Hochgebirge wird Hochseil gespannt

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Hochseil wird gespannt

Und genau da liegt der Knackpunkt, weiß Günter Karnutsch, Präsident der Salzburger Berg- und Skiführer: „Man muss da unter Umständen mehrere hundert Meter Seil auf den Berg hinauftragen, muss die dann relativ kompliziert installieren und spannen mit Flaschenzügen - und dann lässt man sie einfach hängen. Darin besteht die große Gefahr.“ Deshalb sind die Seile oft wochenlang gespannt.

Vom Cockpit aus kaum zu sehen

Die Freizeitakrobaten bedenken offenbar zu wenig, dass sie mit dem Seil im hochalpinen Gelände Retter in Gefahr bringen. Bei einer Demonstration am Gosaukamm zeigte sich klar: Obwohl Pilot Harald Strimitzer - seit zwölf Jahren bei der Flugeinsatzstelle Salzburg - ungefähr wusste, wo das Seil gespannt ist, brauchte er mehrere Minuten, um es vom Cockpit aus zu entdecken.

Im Hochgebirge gespanntes Hochseil

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Bergsteiger hängt am Hochseil

„Selbst an einem an und für sich sehr schönen Tag erkennt man solche Seile erst sehr, sehr spät“, schildert Strimitzer, „Dabei haben wir sogar gewusst, dass sich dort ein Seil befindet, haben es aber erst aus etwa 50 Metern Entfernung erkennen können.“

Kollision wäre tödlich - Absturz die Folge

Einige Beinahe-Kollisionen von Helikoptern mit den Hochseilen sind bereits dokumentiert. Sollte es tatsächlich zu einem Zusammenstoß kommen, hätte das fatale Folgen: „Das würde mit ziemlicher Sicherheit zu einem Absturz des Hubschraubers führen“, sagt Strimitzer, „Man könnte Glück haben, aber an und für sich muss man damit rechnen, dass der Hubschrauber in eine Fluglage gebracht wird, die nicht mehr beherrschbar ist.“

Pilot im Hubschrauber-Cockpit

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Die Gesetzeslage ist dabei klar: Alles, was mehr als zehn Meter hoch verspannt wird, ist ein Luftfahrthindernis und muss gemeldet und gekennzeichnet werden. Deshalb gehe es darum, das Verantwortungsbewusstsein der Kletterer zu schärfen, sagt Karnutsch: „Man braucht da nicht groß zum Halali blasen, dass man gegen diese Leute etwas unternimmt. Aber Aufklärungsarbeit ist gefragt.“

Denn ein Hochseil kann zur Todesfalle für jene werden, die eigentlich andere Menschen retten wollen.

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