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SA | 20.03 | 01:58
Röhrender Hirsch. Bild: Salzburger Jägerschaft
Junger Salzburger bei Hirschruf-EM
Jüngster Teilnehmer bei der Hirschruf-EM in Dortmund war Samstag der 14-jährige Julian Hochleitner aus Goldegg (Pongau). Mit seinem Vater und seinem Onkel repräsentierte er mit seinem Röhren die österreichischen Hirschrufer.
Julian Hochleitner bei Hirschruf-WM. Bild: Familie Hochleitner, Goldegg
Julian Hochleitner bei Hirschruf-WM.
Stimmbruch beeinträchtigt Hirschrufer
Julian Hochleitner schaffte es auf Platz zwölf der Europameisterschaft - noch vor seinem Vater - und war nicht enttäuscht: "Ich habe viel zu hell geschrien." Er sei gerade im Stimmbruch und seine Stimme noch nicht so tief. Der junge Goldegger will aber weitermachen.

Julians Onkel Christian Hochleitner, Berufsjäger in Werfen (Salzburger Pongau), wurde Dritter. Wie er sich vorbereitet hat? "In den letzten zwei Wochen habe ich jeden zweiten Tag etwa 20 Minuten gerufen", sagt der 46-Jährige:

"Im Wohnzimmer, meistens, wenn niemand zu Hause war - damit es die Familie nicht stört." Auch er will weitermachen. In früheren Jahren war er bereits zwei Mal österreichischer Meister.
Junger Tscheche ist Europameister
Bedrohlich tief und grimmig seufzend röhrt es durch die Messehalle. Schließt man die Augen, wähnt man sich fast auf einer Waldlichtung: Die besten 24 Hirschrufer Europas haben am Samstag bei der Jagdmesse "Jagd & Hund" um die Wette geröhrt.

Die acht Juroren, allesamt gestandene Jäger, waren sich schließlich einig: Der 23-jährige Volkswirtschaftsstudent Jan Brtnik aus einer Stadt in der Nähe des tschechischen Marienbad vermag die Brunftschreie der Rotwild-Männchen am besten nachzuahmen.
Alten Hirsch nachahmen - für Hirschkühe
Die Männer meinen es ernst. In traditioneller Jagdkleidung treten sie nacheinander vor das Mikrofon und legen los - ungesehen von den Kampfrichtern. Dabei blasen sie in längenverstellbare Plastikröhren, fast fußballgroße Meeresschnecken mit einem Loch an der Spitze oder hohle Ochsenhörner, einen halben Meter lang.

Konzentriert geht es zur Sache. Mehrmals wird angesetzt. Die Aufgaben sind schwer: In der ersten Runde sollen die 24 einen alten Hirsch nachahmen, der mit ein paar weiblichen Tieren, dem sogenannten Kahlwild, abseits des Brunftplatzes steht.
Lange Tradition der Lock- und Rufjagd
Zweck der kurios anmutenden Lautäußerungen ist, während der Brunftzeit des Rotwildes von September bis Anfang Oktober dem "Platzhirsch" einen Nebenbuhler vorzutäuschen. Damit will der Jäger ihn aus der Deckung locken, um das Tier für einen möglichen Abschuss beurteilen zu können.

Die Kunst, den Hirsch zu rufen, sei "anspruchsvolles jagdliches Handwerk", lässt der Veranstalter wissen. Die sogenannte Lock- und Rufjagd habe eine jahrhundertelange Tradition.
Reize auch für Zuschauer
Die mehr als 500 Zuschauer sind durchaus angetan. "Es ist sehr realistisch", sagt ein 47-jähriger Jäger aus dem nordrhein-westfälischen Spenge, der auch schon echte Hirsche röhren hörte. Natürlich sehe es ein wenig komisch aus, aber teilweise seien die Hirschrufer sehr gut.

Ein 57-Jähriger pflichtet ihm bei. Skurril findet er das Hirschrufen nicht. "Jeder soll sein Hobby haben", sagt er. Er selbst gehe durch den Wald und sammle abgeworfene Hirschgeweihe.

Eine Frau aus den Niederlanden, die zuvor noch nie vom Hirschrufen hörte, fand es lustig anzusehen. Und es sehe "wirklich wichtig" aus.