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Premiere des Bergdramas "Nordwand"
Am 22. Oktober feierte im Stadtkino Hallein die Salzburg-Premiere des Films "Nordwand" Premiere. Der Film handelt von einem Bergsteigerdrama in der Eiger-Nordwand im Jahr 1936 und wird unter Patronanz von ORF Radio Salzburg präsentiert.
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 Von Gerald Lehner, salzburg.ORF.at
"Nordwand" ist nach der Premiere in Hallein ab Freitag österreichweit - auch beim Bergfilm-Festival im "Kino" in der Stadt Salzburg im November. |
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Sommer 1936 mit toller Besetzung
"Nordwand" ist der neue Film des deutschen Regisseurs Philipp Stölzl und erzählt die spannende Geschichte der beiden Heeresbergführer und Spitzenkletterer Toni Kurz und Andreas Hinterstoisser aus Bad Reichenhall.
Zwei Stars des neuen deutschen Films sind hier im Einsatz: Florian Lukas als Hinterstoisser und Benno Fürmann als Toni Kurz.
Das zähe Duo versucht im Sommer 1936 - wie so viele junge "Helden" und Glücksritter jener Zeit - die Nordwand des Eiger in der Schweiz als Erste zu durchsteigen, um Ruhm in Deutschland sowie in internationalen Medien zu ernten.
Und der nationalsozialistische Politik- und Medienzirkus läuft vor dem Hintergrund des spannenden Geschehens einmal mehr auf Hochtouren.
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Verhängnisvolle Politik im Hintergrund
In dem Film wird mit herausragender Kameraführung - zum Teil in der Eigerwand selbst - neben der Historie des Bergsteigens auch neue zeitgeschichtliche Authentizität gesucht, und über weite Strecken auch gefunden. Die verhängnisvolle Politik jener Zeit in Deutschland und Österreich ist - erstmals überhaupt im alpinistischen Spielfilm-Genre - bei "Nordwand" nicht ausgeblendet, sondern Teil der Handlung.
In der neutralen Schweiz treffen die politisch wenig interessierten Bayern Kurz und Hinterstoisser im Juli 1936 unter der Wand zufällig auf die exzellenten Bergsteiger und (illegalen) österreichischen Nationalsozialisten sowie fanatischen SA-Männer Edi Rainer und Willy Angerer aus Salzburg. Auch hier zwei tolle junge Schauspieler im Einsatz - beide Österreicher: Simon Schwarz und Georg Friedrich.
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Schatten Hitlers über dem Eiger
Kurz und Hinterstoisser haben alpinistisch das gleiche Ziel wie Rainer und Angerer - politisch nicht. Deren Heimat Österreich ist 1936 noch ein unabhängiger Staat und wird von einheimischen und deutschen Nationalsozialisten erst zwei Jahre später beim "Anschluss" von der Landkarte radiert.
Die Eigerwand war damals nicht nur ein sportliches Ziel, auch die Politik und führenden Medien bemächtigten sich des Themas, um propagandistisch-heldische und nationalistische Ziele zu verfolgen.
Die zwei Kletterer aus Bayern sind erstaunt über die moderne und teure Kletterausrüstung der beiden Österreicher. Daraufhin prahlt Edi Rainer mit dem Hinweis: "Alles von der SA bezahlt." (Hitlers Sturmabteilung, Anm.).
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 Benno Fürmann als Toni Kurz in höchster Todesgefahr. |
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Zum gemeinsamen Weitersteigen verdammt
Beide Seilschaften aus den Nachbarregionen Berchtesgaden-Reichenhall und Salzburg können einander nicht "riechen", was im Film dramaturgisch deutlich berücksichtigt ist.
Aufgrund der Gegebenheiten in der Wand und um im aufkommenden Sturm zu überleben, müssen sie gemeinsam weitersteigen und als deutsch-österreichisches Quartett einen Erfolg versuchen.
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 Simon Schwarz und Georg Friedrich als Edi Rainer und Willy Angerer |
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Rettenden Rückweg selbst "verbaut"
Beim heutigen "Hinterstoisser-Quergang" in der Eigerwand zieht Hinterstoisser - gedankenlos oder versehentlich - das in die Wand gehängte Fixseil ab, um es für den weiteren Aufstieg zu nutzen. Das wird später beim Rückzug zur Todesfalle für die Bergsteiger.
Sie können dann nicht mehr die 30 Meter seitlich auf den unteren Teil der bisher erkundeten "Normalroute" zurückkehren, um relativ sicher ins Tal abzuseilen. Die vier sitzen wegen des fehlenden Seiles im Quergang in der Falle des Sturmes.
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Knoten steckt im Karabiner fest - tot
Steinschlag, Sturm, Eiseskälte und ein Absturz fordern Tribut. Drei der jungen Männer sterben nacheinander. Und der letzte Überlebende ist der Bayer Toni Kurz. Eine Rettungsmannschaft von Schweizer Bergführern bemüht sich nach der zweiten Sturmnacht um den halb Erfrorenen in der Wand.
Es gelingt Kurz trotz schwerst erfrorener Hände noch, sich behelfsmäßig in Richtung der Retter abzuseilen. Die letzten Meter schafft er nicht mehr. Ein Verbindungsknoten der Seile, an denen er herunterkommt, bleibt im Karabiner seines Klettergeschirrs stecken. Kurz hat keine Kraft mehr, das Seil oberhalb zu entlasten und den Knoten durchzudrücken. Er stirbt vor den Augen seiner Retter, die sich vergeblich bemühen, den einige Meter oberhalb feststeckenden Toni Kurz zu erreichen.
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 Johanna Wokalek als Reporterin Luise Fellner |
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Angedeutete Liebe mit Toni Kurz
Neben dem tragischen Geschehen gibt es im Film die angedeutete Liebesbeziehung zwischen Toni Kurz und der jungen Zeitungsreporterin Luise Fellner (gespielt von der grandiosen Johanna Wokalek).
Die Filmperson ist gebürtige Reichenhallerin, die in Berlin arbeitet. Sie reist mit Chefredakteur Henry Arau (Starbesetzung: Ulrich Tukur) ins Berner Oberland in die Schweiz, um vom Fuß der Eigerwand zu berichten.
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 Ulrich Tukur als Berliner Chefredakteur Arau |
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Kündigung wegen Nazis in Berlin
In der Brust ihres oberflächlich charmanten Chefs Arau wohnen zwei abgründige Seelen - die des sensationsgierigen Journalisten, der mitunter auch Mäuse gerne zu Elefanten aufbläst. Daneben zeigt sich in manchen Aussagen ein strammer Nationalsozialist und treuer Mediendiener seines Führers.
Seine junge Reporterin Fellner wird von diesen Eigenschaften im Laufe des Films derart abgestoßen, dass sie nach dem Tod von Toni Kurz ihren Job quittiert: "Ich gehe nicht mehr nach Berlin zurück, weil dort so viele sind, die so sind wie Sie." Nicht nur dort, möchte man intuitiv sagen.
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Vielschichtige Handlung, zwei Jahre vor "Sieg"
In den Schlussszenen sehen die Zuschauer, wie Fellner in New York als Jazz-Fotografin Karriere macht und im Tourenbuch ihrer unerfüllten Liebe Toni Kurz wehmütig blättert. Ein Film über innere und äußere Abgründe des Bergsteigens, auch über seine Schönheiten und großen Reize. Sehenswert macht ihn auch die Tatsache, dass "Nordwand" von morschen "Bergfilmen" klassicher Machart und bodenloser Verherrlichung der Charaktere abweicht.
Nicht wenige "Bergfilme" vergangener Jahrzehnte geben sich an der Oberfläche "unpolitisch". So manche Helden- und Naturverehrung passt jedoch perfekt in das heldische Genre, wie es die Nationalsozialisten pflegten, letztlich sogar begründeten. "Nordwand" ist anders - ehrlicher, mutiger, der Film ist Ausdruck geistiger Moderne, die es auch 1936 schon gab und von den Nazis (fast) vernichtet wurde. Ein neuer Stil, neue Zeit: Der Mensch ist nicht (nur) stark, überheblich, leistungsfähig und schön, er ist brüchig, vielschichtig und verletzlich.
Und ob Bergsteigen zur höheren Ehren der Politik Sinn ergibt, die Frage muss(te) jeder selbst beantworten - auch einer der späteren vier Eiger-Bezwinger: Heinrich Harrer, der im Sommer 1938 als Einziger des "siegreichen" Teams längst Mitglied bei SS, SA und NSDAP und nach dem Gipfelerfolg persönlicher Schützling des Massenmörders Himmler war - bis hin zur Nanga-Parbat-Expedition von 1939 und Tibet.
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