Im Wasenmoos bei Mittersill

In unserer Reihe „119 Plätze, 119 Schätze“ hat die Gemeinde Mittersill (Pinzgau) das Naturdenkmal Wasenmoos nominiert. Das Feuchtgebiet wäre am besten natürlich im Sommer zu erkunden. Es gilt aber auch als Naherholungsgebiet im Winter.

Wasenmoos bei Mittersill
Moorverein Wasenmoos & Bundesforste
Spätherbstliche Idylle mit erstem Schnee

Man kann darüber diskutieren. Was ist besser? Das Wasenmoos an der Pass-Thurn-Straße im Sommer oder im Winter zu besuchen? Es zahlt sich aber zu jeder Jahreszeit aus. Nicht nur in der warmen, wenn hier seltene Pflanzen blühen. Im Winter gibt es mit der Schneelandschaft vor dem Hintergrund der Hohen Tauern im Süden ganz eigene Eindrücke. Das Wasenmoos liegt auf 1.200 Metern Seehöhe und ist 16 Hektar groß.

Seltene Pflanzen und Tiere

Es gibt hier viele und seltene Pflanzen- und Tierarten. So finden sich hier beispielsweise alle drei in Österreich heimischen „fleischfressenden Pflanzen“: Sonnentau, Fettkraut und Wasserschlauch. Die in den Alpen seltene Zwergbirke (Betula nana) gilt als Relikt der Eiszeit. Das unscheinbare Bäumchen kann bis zu 90 Jahre alt werden.

Bilder-Galerie:

Durch Gletscher der Eiszeit wurde der Gesteinsuntergrund des Wasenmooses wannenförmig ausgeschürft. Viel Regen, kalkhaltige Sickerwässer und die Wassereinbringung durch einige kleine Bäche sowie die winterliche Schneesicherheit begünstigten die Moorbildung. So entstand auf bis zu sieben Meter dicken Ton- und Sandschichten im Laufe der Zeit das Moor mit einer Torfschicht von bis zu drei Metern Mächtigkeit.

Seit 1978 ist das Wasenmoos als Naturdenkmal ausgewiesen. Ein Großteil befindet sich auf Bundesforste-Flächen und wird von diesen in Zusammenarbeit mit dem „Moorverein Wasenmoos Pass Thurn/Mittersill“ betreut und gepflegt.

Geschichte des Torfabbaus

Im Wasenmoos wurde der Torf in zwei Phasen abgebaut - als Brenntorf von 1781 bis 1819 - und für die Herstellung von Torfstreu von 1901 bis 1963. In der ersten Phase wurde der Torf als Brennstoff für das Kupfer-Vitriol-Sudwerk in Mühlbach bei Bramberg gestochen. Ende der 1890er-Jahre befassten sich die kaiserlich-königlichen Staatsforste in Wien mit der Möglichkeit, aus dem „Wasenmoos“ auf dem Pass Thurn Streutorf zu gewinnen und zu Torfstreu zu verarbeiten.

1904 wurde eine entsprechende Anlage gebaut. Dieses erste Torfwerk lag beim heutigen Wegkreuz. Es wurde 1931 durch einen Neubau (Standort des heutigen Tannenhofes) ersetzt. In diesem Jahr wurde auch das alte Bahngleis von 1907 an das neue Betriebsgebäude angeschlossen und ein Daimler-Triebwagen mit sechs PS angeschafft. Es arbeiteten nie mehr als vier Mann in diesem Betrieb.

Torf als Ersatz von Stroh heute undenkbar

Die eingebrachten Torfziegel wurden in der Anlage zu Streu für Ställe in der Landwirtschaft verarbeitet. An Bauern abgegeben wurden die fertig gepressten Ballen dann an der Pass-Thurn-Straße. Die Reiß- und Pressarbeit war im Sommer auch Schlechtwetterbeschäftigung für Knechte und Mägde aus der regionalen Landwirtschaft. 1962 wurde hier der letzte Torf gestochen, 1963 das Werk dann geschlossen. Gründe waren Arbeitsmangel, veraltete Maschinen, fehlende Subventionen, Konkurrenz durch subventioniertes Stroh. Und viele Jahre später kam dazu noch die Erkenntnis, dass Torf als Rohstoff und Teil der Ökologie viel zu schade ist, um die Funktionen von Stroh im Stall zu erfüllen.

Übersicht, Anfahrt, Wege

Wasenmoos bei Mittersill Übersichtskarte
Moorverein Wasenmoos

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Auch im Winter einen Besuch wert

ORF-Redakteur Reinhard Grabher hat sich im Wasenmoos bei Mittersill umgesehen.

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