TV-Krimi nimmt politische Korrektheit aufs Korn

Der tragikomische TV-Krimi „Die Toten von Salzburg“ wird Ende Februar und Anfang März mit weiteren Folgen fortgesetzt. Das bayrisch-österreichische Ermittlerduo Palfinger und Mur geht wieder auf Verbrecherjagd - inklusive Humor und Verstößen gegen politische Korrektheit.

Im März 2016 war der bayrisch-österreichische TV-Krimi „Die Toten von Salzburg“ ein überraschender Quotenerfolg. 925.000 Zuseher sahen damals im ORF die Fernsehpremiere des ungleichen Ermittlerduos Palfinger und Mur - mehr als die Folgen der „Landkrimi“-Reihe. Im Vorjahr folgte zudem eine Romy als bester TV-Film und für die beste Regie. Nun kommen gleich zwei Fortsetzungen ins Fernsehen.

Die Toten von Salzburg - zwei weitere Folgen
ORF
Szene in einer der neuen Folgen mit den Mönchen vom Salzburger Kapuzinerkloster, die auch wieder mitspielen

Polizeimajor im Rollstuhl

Dabei setzt die von ORF und ZDF koproduzierte Krimireihe weiter auf das bewährte und etwas schräge Team. Der Salzburger Polizeimajor Peter Palfinger (Florian Teichtmeister) sitzt seit einem Unfall beim Paragleiten im Rollstuhl. Er ist ein Zyniker, manchmal hart mit sich und der Umwelt, aber direkt, schlagfertig und - um eine vielstrapazierte Redensart zu bemühen - hat das Herz auf dem richtigen Fleck. Unterstützt wird er von der Nachwuchsermittlerin Irene Russmeyer (Fanny Krausz).

Bayrischer Kollege mehr der harte Hund

Als Antagonist in den eigenen Reihen steht ihm bei der Lösung der grenzüberschreitenden Fälle der bayrische Kriminalhauptkommissar Hubert Mur (Michael Fitz) zur Seite. Der ist laut, jähzornig und nimmt Palfinger wegen seiner Behinderung nur beschränkt ernst. Mur geht gerne mal mit dem Kopf durch die Wand, um ans Ziel zu kommen. Die beiden Ermittler können sich nicht allzu gut leiden, arbeiten aber passabel zusammen.

Dieses Element ist nicht mehr verfügbar

TV-Bericht aus „Salzburg heute“ mit einigen Szenen aus den neuen Folgen zum Hineinschnuppern.

Das Duo pflegt dabei eine Hassliebe voll Sticheleien, die viel mit den kleinen Konflikten zwischen Bayern und Österreichern zu tun hat. „Nicht schon wieder eine weiß-blaue Geschichte“, stöhnt Palfinger am Beginn der Ermittlungen, während sich Mur später über die schlampige Arbeit der österreichischen Spurensicherung lustig macht. Und beim Besuch des Salzburger Traditionscafes Bazar nur ein Glas Wasser bestellt. „Ich zahl doch nicht 3,90 Euro für einen Kaffee.“

Fahrer eines Politikers im Spital umgebracht

In der ersten der beiden neuen Geschichten, der Folge „Zeugenmord“, untersuchen die Ermittler einen Doppelmord in Salzburg. Der Fahrer eines deutschen Politikers wurde nach einem mysteriösen Autounfall im Krankenhaus getötet. Das zweite Opfer war Patient im selben Krankenzimmer. Hatte dieser das Pech, den Täter gesehen zu haben? In Folge drei, „Königsmord“, klären die Kommissare dann den Mord an einem in Salzburg lebenden bayrischen Wurstfabrikanten („Hier Ehrenträger, dort Steuerflüchtling“) auf.

Nicht nur Schokoladenseiten Salzburgs zu sehen

„Die Serie lebt von der Mischung aus Krimi und Humor. Es geht in den Geschichten nicht bierernst zu, von dem haben die Leute ohnehin genug“, sagte Regisseur Erhard Riedlsperger bei der Premiere der Folge „Königsmord“ am Mittwochabend in Salzburg zur APA. „Wir wollten auch wieder ein wenig hinter die Kulissen von Salzburg blicken.“ Obwohl der Film von Stadt und Land Salzburg gefördert wird, wolle man nicht nur die schönen Seiten der Stadt zeigen und nur Bilder für touristische Zwecke drehen. „Das fällt in Salzburg mitunter schwer. Aber wir wählen die Drehorte nicht danach aus, weil der Schauplatz so toll ist, sondern weil sie für den Inhalt am besten passen.“

Kampf gegen politische Korrektheit

Der am Mittwoch vorab gezeigte „Königsmord“ ist weniger überraschend, vorhersehbarer und auch klischeereicher geworden als der Auftakt vor zwei Jahren. Weniger Platz hat auch das Aufzeigen der kleinen Diskriminierungen Behinderter im Alltag bekommen. Aber das Konzept funktioniert - vor allem wegen des Spiels mit der politischen Unkorrektheit. „In Deutschland kann ich im Fernsehen kaum noch despektierliche Behindertenwitze machen“, sagte Mur-Darsteller Fitz.

„Es gibt Bedarf an politischer Unkorrektheit, zumindest in gewissen Fällen“, sagte auch der zweifache Nestroy-Preisträger Teichtmeister: „Ein guter Krimi erzählt immer mehr über die Gesellschaft als über die Tat selbst.“ Behinderte seien im Alltag oft mit Kälte und Ablehnung konfrontiert - oder mit Übervorsicht, Mitleid und verlogener Überfreundlichkeit.

„Palfinger kennt nur diese Extreme. Und er reagiert mit Zynismus darauf“, so Teichtmeister: „Der Bayer Mur nimmt sich hingegen die Freiheit zu sagen, was er denkt: Nur weil Sie im Rollstuhl sitzen, brauchen Sie sich nicht so aufzuführen. Und der Zuschauer merkt: Eine Sonderbehandlung wäre politisch genauso unkorrekt.“

Weitere Folgen geplant, eine in Gastein

Der ORF strahlt am 10. Februar zunächst den ersten Teil der Serie noch einmal aus. Die Folge „Zeugenmord“ folgt am 24. Februar, die Folge „Königsmord“ am 10. März. Beginn ist jeweils um 20.15 Uhr auf ORF eins. Und es gibt offenbar bereits grünes Licht für weitere Fortsetzungen: Schon im Sommer sollen in Bad Gastein und in der Stadt Salzburg die Dreharbeiten für die Folgen vier und fünf beginnen.

Werbung X