Kirchgasser startet bei Weltcup in Levi

Der Wunsch, in Levi in ihren letzten Wettkampfwinter zu starten, wird sich für Michaela Kirchgasser am Samstag erfüllen. Die Salzburger Skirennläuferin will es „so entspannt wie noch nie“ angehen.

Michaela Kirchgasser jubelt im Ziel
APA/EPA/John G. Mabanglo
Kirchgasser im Ziel kämpferisch

Starts bei den Österreich-Rennen und Olympia soll die 17. Saison der 32-Jährigen bringen. Eine Abschiedstour mit fixem Zeremoniell soll es nicht werden. Ob es Kaffee oder Bier gibt, wird spontan entschieden.

Aufwind nach Operationen

Nach ihren zwei Knieoperationen im Frühjahr hat Kirchgasser im Juli schon kurz an eine Abschiedspressekonferenz gedacht, im August sei aber in kurzer Zeit viel weitergegangen. „Da habe ich gesagt, ich habe eine Chance, dass ich den Winter noch fahren kann. Im Oktober habe ich gesehen, dass das Skifahren funktioniert. Und der Rest kommt, wie er kommen soll“, sagte Kirchgasser vor dem Slalom in Levi: „Wenn es im Winter nicht mehr geht, geht es nicht mehr. Aber ich kann mir nicht vorwerfen, es nicht probiert zu haben.“

Frühes Training im Oberpinzgau

Beim Pass Thurn hat Kirchgasser individuell ihre Vorbereitung absolviert. Wie das Knie auf Schläge reagieren wird, bleibt abzuwarten: „Mit jedem guten Tag und umso härter die Piste ist, steigt das Selbstvertrauen und das Vertrauen ins Knie, dass wenn ein Schlag kommt, nichts passiert. Wenn ich stabil bin, lässt sich der Ski gut führen. Das gilt es nun, im Rennen umzusetzen. Aber mit neun Trainingstagen muss ich realistisch sein, ich werde nicht um den Sieg mitfahren.“

Kommt noch ein Sieg dazu?

Drei Weltcup-Rennen hat Kirchgasser in ihrer Karriere gewonnen, einen Riesentorlauf 2007 in der Sierra Nevada sowie die Torläufe 2012 in Kranjska Gora und Schladming. Dazu eroberte sie bei Weltmeisterschaften Gold im Teambewerb 2007, 2013 und 2015, Silber im Slalom 2013 und Teambewerb 2011 sowie Bronze in der Kombination 2015 und 2017.

„Was wäre, wenn ich mehr gewonnen hätte? Wäre ich dann immer noch ich? So wie es war, war es mein Weg, ich bin absolut zufrieden. Ich würde keinen Tag anders machen“, erklärte Kirchgasser, die man fast immer mit einem Lachen im Gesicht sieht. Den Spaß hat sie sich trotz vieler Blessuren nie nehmen lassen: „Das ist mein Leben. Mein Traum, dass ich das so lange habe machen dürfen und immer noch darf. Es gibt nicht viel schönere Dinge, die man so mit Freude ausüben kann. Ich darf nur zufrieden sein und nicht hadern.“

Bildergalerie:

Von der Resterhöhe beim Pass Thurn, wo schon Anfang Oktober das Schneetraining für Kirchgasser möglich war:

„Noch immer Lust und Leidenschaft“

Ob, wann und wo mit Kirchgasser im Laufe des Winters die Emotionen durchgehen werden, lasse sie auf sich zukommen: „Das ist das Schöne, dass man das nicht planen kann.“ Die Passion ist auch in der Abschiedssaison noch die große Antriebskraft: „Ich bin voll fokussiert, weil ich immer noch die große Lust und die Leidenschaft für den Sport habe.“

Deshalb hat sie sich bei ihren letzten Auftritten in den diversen Weltcup-Orten auch nichts Spezielles vorgenommen: „Das lasse ich voll auf mich zukommen. Ich habe keine Ahnung, wie lange es mir so gut geht wie jetzt, dessen bin ich mir bewusst. Ich genieße das einfach und mache, was mir taugt. Wenn es ein Kaffee ist, ist es ein Kaffee, wenn es eine Kerze in der Kirche ist, was auch passieren kann, wird es das sein. Wenn es ein Bier ist, ist es ein Bier.“ Meistens werde es wohl ein Kaffee werden.

Hält das Knie?

In Levi wird am Samstag zum 13. Mal ein Damen-Slalom im Weltcup ausgetragen, Kirchgasser wird zum ebensovielten Mal dabei sein. Das hat neben ihr auch die Südtirolerin Manuela Mölgg geschafft, die als 34-Jährige zuletzt im Sölden-Riesentorlauf Dritte wurde.

Sollte Kirchgasser im Laufe des Winters aufgrund des Knies Prioritäten setzen und Rennen auslassen müssen, so hofft sie doch, dass sie in Lienz, Flachau und Bad Kleinkirchheim mit dabei sein wird. „Die Österreich-Rennen haben Priorität, weil es die coolsten Rennen sind. Grundsätzlich ist aber der Plan, von Rennen zu Rennen zu schauen und kurzfristig zu entscheiden. Man muss spontan sein.“ Oder mit der neuen Gelassenheit der angehenden Skirentnerin gesagt: „Es passiert, was passieren soll. Und fertig.“

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