Haftstrafe für vielfachen Kunstdieb

Ein schon 19-fach vorbestrafter Kunstdieb ist Mittwoch in Salzburg zu weiteren sieben Monaten unbedingter Haft verurteilt worden. Der 54-Jährige soll sechs Bilder und eine Bronzemaske aus Galerien - im Gesamtwert von ca. 5.000 Euro - gestohlen haben.

Der Mann soll seine Wohnung mit den gestohlenen Kunstwerken dekoriert haben. Er zeigte sich voll geständig. Die Taten liegen zum Teil schon einige Jahre zurück.

Vielschichtige Vorwürfe der Anklage

Laut Strafantrag brach er im Februar 2010 in der Galerie Weihergut eine Vitrine auf und stahl daraus ein Gemälde im Wert von 1.500 Euro. Da ein Einbruch nicht nachweisbar war, wurde der arbeitslose Mann auch in diesem Fall bei dem Prozess am Landesgericht Salzburg wegen Diebstahls verurteilt. Weiters soll er in der Galerie Seywald 2014 eine Bronzemaske im Wert von 1.600 Euro und auch vier Radierungen im Wert von 1.130 Euro gestohlen haben.

Künstlerin erkennt Verdächtigen wieder

Auf die Spur des Beschuldigten kamen die Ermittler, nachdem am 30. März 2017 bei einer Vernissage in der Galerie Artlet ein Gemälde im Wert von 600 Euro gestohlen worden war. Die Künstlerin hatte sich das Gesicht des damals ebenfalls anwesenden Mannes, der eine Sporttasche dabei hatte, gut eingeprägt und ihn auf einem Foto wiedererkannt.

In der Wohnung des Verdächtigen entdeckten die Polizisten nicht nur das gestohlene Bild, das an einer Wand hing, sondern eine Reihe weiterer Gemälde und Skulpturen unklarer Herkunft. Die Beamten händigten die Kunstwerke unversehrt an die Geschädigten aus. Die Bronzemaske brachte der verdächtige Kunstliebhaber selbst zurück.

Galerist Seywald hat Mitleid

Der Angeklagte wollte sich „weder bereichern noch jemanden schädigen“, wie er heute betonte: „Ich habe die Kunstwerke aufgrund eines gewissen Frustes entnommen, weil ich fast acht Jahre im Leben schon in Haft gesessen bin.“ Der bestohlene Galerist Thomas Seywald hatte offenbar Mitleid mit ihm: Er schenkte dem 54-Jährigen die Radierung „Crime“ von Paul Flora, die laut der Internetseite www.paulflora.at einen Verkaufswert von 220 Euro hat. Der Mann habe die Bronzemaske unbeschädigt zurückgebracht, er habe den Eindruck, dass der Angeklagte kein gewerbsmäßiger Dieb, sondern „Kunstsammler-Spinner“ sei, sagt Seywald.

„Kein Profi, sondern Kunst-Spinner“

„Das großzügige Angebot wäre doch ein Anlass für einen Neuanfang“, sagte Richterin Claudia Bahar zu dem Beschuldigten. „Danke vielmals, das ist nett“, bedankte sich dieser nach einigem Zögern bei dem Galeristen. Der Salzburger nahm das Urteil an, die Staatsanwältin verzichtete auf Rechtsmittel.

Das Urteil ist aber noch nicht rechtskräftig, weil der Angeklagte ohne Verteidiger zum Prozess gekommen war. Er hat deshalb noch drei Tage lang Bedenkzeit.

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