Falscher Polizist kassierte Strafgelder

Einem mutmaßlich falschen Polizisten, der illegal von Autolenkern Strafgelder kassiert haben soll, wird nun in Salzburg der Prozess gemacht. Es sei ihm nicht ums Geld, sondern um Gerechtigkeit gegen Verkehrssünder gegangen, sagt der Mann. Das Verfahren wurde vertagt.

Der Verdächtige habe einen gefälschten Ausweis mitgeführt haben, der ihn als Polizisten legitimieren sollte, sagt die Staatsanwaltschaft. So soll er von Fahrzeuglenkern in der Stadt Salzburg Strafgelder in der Höhe von 60, 29 und 19 Euro kassiert haben. Ihm sei es nicht ums persönlichen Gewinn gegangen, betonte der 47-jährige Angeklagte nun bei dem Prozess in Salzburg. Gefährliche Manöver im Straßenverkehr sollten nicht ungesühnt bleiben, erklärte er dem Gericht sein Motiv: „Ich bin ein Gerechtigkeitsfanatiker.“

Auch als Schiedsrichter umstritten

Mit seinem Gerechtigkeitssinn sei er schon als Schiedsrichter mehrmals angeckt, erzählte der beruflich Selbstständige zu Strafrichterin Anna-Sophia Geisselhofer. Zum Vorwurf des schweren Betruges zeigte er sich laut seinem Verteidiger Stefan Rieder „reumütig und vollumfanglich geständig“.

Psychische Krankheit

Der Rechtsanwalt legte dar, dass sein Mandant psychisch krank sei, an dem Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom (ADHS) leide und deshalb auch in psychologischer und neuropsychiatrischer Behandlung sei. Rieder zahlte den Geschädigten, die als Zeugen gekommen waren, die Strafgelder als Schadenswiedergutmachung zurück und anerkannte eine 100 Euro hohe Teilschmerzensgeldforderung eines 50-jährigen Autofahrers.

Der Beschuldigte trug bei seinen vorgetäuschten Amtshandlungen im Jahr 2013 und 2015 zwar Zivilkleidung, unterbreitete den Lenkern aber eine weiße Plastik-Chipkarte als amtlichen Ausweis, der mit einem Foto versehen und auf dem laut Zeugen „Kriminalpolizei“ zu lesen war. Seine Bußgeldforderung habe er mit der Ansage untermauert, er hätte das Verkehrsvergehen auf Video aufgezeichnet.

Keine Quittungen, Autofahrer misstrauisch

Von seinem Auftreten her habe der Mann tatsächlich wie ein Polizist gewirkt, berichtete ein Zeuge. Ein anderer erzählte, dass er erst Verdacht geschöpft habe, als er eine Quittung verlangte. Der vermeintliche Beamte habe diese nicht ausgestellt, sondern er sei in seinem BMW mit Vollgas davongefahren: „Wir haben uns aber sein Kennzeichen gemerkt.“

Nach der Zeugenaussage eines abkassierten Autofahrers hat Staatsanwalt Leon-Atris Karisch den Strafantrag noch modifiziert. Der Angeklagte soll demnach Ende April vor der Wohnungstüre des 50-jährigen Mannes gestanden sein und ihn dazu genötigt haben, die Anzeige gegen ihn zurückzunehmen oder auszusagen, dass er ihn bei der Wahlkonfrontation unter den möglichen Tätern doch nicht erkannt habe. „Mir ist das Herz in die Hose gefallen. Ich war extrem aufgewühlt“, schilderte der 50-Jährige.

Am 13. August geht es weiter

Der Staatsanwalt wirft dem bisher unbescholtenen 47-Jährigen deshalb auch noch versuchte Nötigung und Anstiftung zu einer Falschaussage vor. Der Prozess wurde zur Zeugeneinvernahme eines Polizisten auf 13. August vertagt.

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