NS-Täter: Tratz verliert auch Landesehrungen

Jetzt distanziert sich auch das Land Salzburg von Eduard Paul Tratz, dem Gründer des Museums „Haus der Natur“, wegen dessen NS-Vergangenheit. Gegen die Stimmen der FPÖ beschloss der Landtag die Aberkennung der Ehrungen Tratz’.

Massive Hetze gegen Behinderte, Juden und Roma, Darstellungen diverser „Rassen und Typen“ sowie „Parasiten des Deutschen Volkes“ im Salzburger Haus der Natur – dargestellt mit Abbildungen jüdischer KZ-Häftlinge, engste Verbindungen zur SS Reichsführung unter Heinrich Himmler, daneben nach 1945 höchste Auszeichnungen von Universität, Stadt und Land Salzburg: Kritik daran gab es schon lange, Dokumentationen im ORF seit 15 Jahren.

Uni und Stadt zogen Ehrungen zurück

Der Salzburger Historiker Robert Hoffmann brachte mit seinem wissenschaftlichen Gutachten zu Eduard Paul Tratz den letzten Stein dann ins Rollen. Im Oktober distanzierte sich die Salzburger Universität von Tratz. Sie erkannte ihm das Ehrendoktorat ab.

Eduard Paul Tratz SS Haus der Natur SS-Akt
United States National Archives / Gerald Lehner
Aus dem Akt von Tratz im „Rasse- und Siedlungshauptamt der SS“

Die Stadt Salzburg folgte im Dezember. Zwar sei die Ehrenbürgerschaft mit dem Tod von Paul Eduard Tratz rechtlich abgelaufen, hieß es. Der Gemeinderat setzte dennoch ein Zeichen und widerrief die Ehrenbürgerschaft.

Antrag von Grünen, SPÖ im Landtag

Nun zog das Land nach: Grüne und sozialdemokratische Abgeordnete forderten eine Aberkennung der beiden hohen Landesehrungen für den Vogelforscher, Naturkundler und Museumsgründer: den Ring des Landes und das goldene Verdienstzeichen, die Tratz in den 1950er- und 1960er-Jahren verliehen bekam. Die beiden Parteien kamen mit ihren Anträgen durch. Nur die FPÖ lehnte sie ab. Eine Gesetzesänderung soll nun posthume Aberkennungen erlauben.

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