Wittgenstein-Villa: Aufruf zu Einsprüchen

In Oberalm (Tennengau) geht die Debatte um die so genannte Wittgenstein-Villa in die nächste Runde. Eine Bürgerinitiative von Kulturfreunden fordert die Bevölkerung auf, den Bebauungsplan zu beeinspruchen und die Zerstörung der historischen Villa zu verhindern. Der Bürgermeister weist Kritik zurück.

Der Oberalmer Bürgermeister Gerald Dürnberger (SPÖ) betont, seines Wissens sei gar keine Zerstörung des alten Hauses geplant. Er habe sich bisher immer bemüht, die an der Debatte beteiligten Personen an einen Tisch zu bringen - auf der einen Seite die Besitzerin der Villa, auf der anderen die Bürgerinitiative mit vielen Unterstützern aus dem Salzburger Kunst- und Kulturleben.

Aufruf zu Einsprüchen bei Behördenverfahren

Nun scheint es neue Spannungen zu geben, wenn man die jüngste Aussendung der Initiative liest: Vor wenigen Tagen habe der Raumordnungsausschuss der Gemeinde Oberalm die Änderungen des Bebauungsplanes genehmigt. Damit würden Einreichung und Bau der geplanten Wohnanlage und damit die Zerstörung von Teilen der historischen Wittgenstein-Villa nun näherrücken. Das kritisiert die Bürgerinitiative um den Architekturhistoriker Norbert Maier und den Germanisten Karl Müller. Die unabhängige Gruppe fordert nun Kulturfreunde in ganz Österreich auf, das Behördenverfahren der Gemeinde Oberalm zu beeinspruchen, um den möglichen Abriss eines historisch wichtigen Zubaues zu verhindern, wie es in dem Schreiben heißt.

Wittgenstein Villa in Oberalm
ORF
Villa in Oberalm

Land lehnt Mitfinanzierung ab

In dem alten Haus hat - wie berichtet - der legendäre österreichisch-britische Philosoph Ludwig Wittgenstein gegen Ende des Ersten Weltkrieges sein Hauptwerk Tractatus vollendet. Details dieser Forschungsergebnisse wurden erst vor wenigen Monaten öffentlich bekannt. Die Initiative sorgt sich auch um die teils sehr alten Bäume im Garten des Areals. Jüngst hatte es das Land Salzburg abgelehnt, bei einem möglichen Ankauf des Hauses und der Schaffung eines Kulturzentrums mitzuzahlen - mit dem Hinweis, dass die Hausbesitzerin gar nicht zum Verkauf bereit sei.

Bürgermeister: „Keine Zerstörungsgefahr“

Der sozialdemokratische Oberalmer Bürgermeister Gerald Dürnberger weist die Kritik der Initiative zurück und betont, er habe mit der Besitzerin des Hauses mehrfach gesprochen. Sie plane sehr wohl auch die Erhaltung wesentlicher Teile des Hauses. Auch eine Gedenkstätte für Wittgenstein sei vorstellbar. Von Zerstörung könne keine Rede sein. Für den geplanten Um- bzw. Wohnungsbau gebe es bisher noch keine Einreichung von Plänen bei der Gemeinde. Und auch die alten Bäume auf dem Grundstück sollen seines Wissens nach erhalten bleiben, sagt der Oberalmer Bürgermeister Dürnberger.

Was ist geplant?

Der ORF hat am Dienstag versucht, auch von dem Architekten Hans Scheicher in Adnet (Tennengau) eine Stellungnahme zu erhalten. Laut Bürgermeister arbeitet dieser für die Hausbesitzerin an der Planung für die Veränderungen auf dem Areal der Wittgenstein-Villa. Scheicher ist derzeit beruflich unterwegs und nicht erreichbar. Er werde zurückrufen, heißt es aus seinem Büro.

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